Report 2023
Partizipation – Quartiere

Zusammen wachsen. Ein evolutionärer Prozess. Der »Zeughof«.

Da ist dieser quirlige Kiez – der Ortsteil mit der höchsten Clubdichte Berlins und einer Gastroszene, die einer kulinarischen Weltreise gleichkommt. Das Viertel, das im Sommer mit dem Paul-Lincke-Ufer und dem Böcklerpark Sonnenhungrige magisch anzieht. Und mitten in diesem Schmelztiegel unterschiedlichster Menschen, Mentalitäten und Lebensstile liegt der »Zeughof« – die ehemalige Verwaltungs- und Produktionsstätte der DeTeWe (Deutsche Telephonwerke). Sachlich, kühl, fast schon wie ein Fremdkörper. Wie sollte es gelingen, ein solches Ensemble mit seiner Umgebung zu versöhnen? Genau darin bestand für das Team von BEOS die Kunst.

Interview mit dem Projektteam

Wann wurde Euch klar, dass ihr beim »Zeughof« die Idee der Unternehmensimmobilie »weiter denken« müsst?

Sobald die Nachbarn mitbekommen hatten, dass sich auf dem Gelände etwas verändert, haben sie uns angesprochen, den Status quo als »zu kalt« und »irgendwie distanziert« beurteilt und spontan Wünsche geäußert. Das deckte sich, wie wir schnell feststellten, mit dem, was wir aus den Mietergesprächen mitgenommen hatten. Ihnen widerstrebte das Gefühl, sinngemäß »in einer Burg zu sitzen und erst mal die Zugbrücke herunterzulassen«, um mit der Außenwelt in Kontakt zu kommen. Auch wenn damals noch nicht von Partizipation die Rede war, haben wir dieses Feedback auf- und ernst genommen. Ein Gewerbeareal muss Begehrlichkeiten wecken, sonst wird es kein Erfolg. Die Dimension Unternehmensimmobilie zu verlassen, war somit unumgänglich. Es musste uns vielmehr gelingen, die Lebensader des Kiezes mitten durch das Areal zu verlegen.

Könnte man sagen, dass sich die Urbanität von selbst ins Spiel gebracht hat?

Ja, und sie hat alle möglichen Wege gefunden: Anwohner, Mieter und Besucher haben das urbane Flair zu uns gebracht und so zu der lebendigen Atmosphäre beigetragen, die den »Zeughof« seither ausmacht. Die Frage war also nur: Wie können wir das fördern? Das erforderte ein übergreifendes Konzept für das vielfältige Ensemble aus Büro, Produktion, Handel und Lager, das den »Zeughof« harmonisch und nachhaltig mit seinem Umfeld in Einklang bringt. Das war insbesondere wichtig, da wir mit dem Hotspot »Mediaspree« – einem Dorado für angesagte Unternehmen aus den Bereichen Medien, Technologie und Kreativwirtschaft – ein Wettbewerbsareal direkt vor der Nase haben. Dessen Anziehungskraft mussten wir ein in sich stimmiges Quartierskonzept entgegensetzen. Was lag also näher, als der Urbanität in Form von Menschen und deren Meinungen Tür und Tor zu öffnen.

Das heißt, ihr habt die BEOS mit dem »Zeughof« neu erfunden?

Nicht wirklich. Das Motto »weiter denken« wurde schon damals gelebt. Aber im Prinzip hat sich im »Zeughof« die BEOSphäre erstmals abgezeichnet. Auch wenn wir damals noch keinen Namen dafür hatten, wurden wesentliche Aspekte ihrer Grundidee deutlich. Dazu gehört der respektvolle und nachhaltige Umgang mit dem Bestand – ein BEOS-typischer Grundsatz – wie auch die kreative Neuinterpretation im Sinne der Mieter. Das muss man sich wie einen Energietransfer vorstellen. Wenn Menschen die Chance bekommen, ihre gestalterischen Ideen umzusetzen, versetzt sie das anschließend in die Lage, ihre Energie auf ihren Flächen zu entfalten. Das zu erleben, liefert uns als BEOS immer wieder neue Impulse.

Und diese Energie hat dann eine Gemeinschaft geformt?

Energie fließt bekanntlich und löst so Reaktionen aus. Wir haben diese Annäherung mit Events wie Sommerfesten, Food-Trucks, Eiswagen und auch Glühweinrunden gefördert – steuern kann man das Gefühl von Gemeinschaft aber nur bedingt. Sagen wir mal so: Der Funke ist einfach durch die vielen – meist jungen – Menschen vom Kiez auf den »Zeughof« übergesprungen. Die Selbstverständlichkeit, mit der das erfolgt ist, hat uns aber auch gezeigt, dass wir – damals noch intuitiv – vieles richtig gemacht haben. Beispielsweise indem wir den Menschen in und um den »Zeughof« auf Augenhöhe begegnet sind und unsere Mieter wie Gäste behandelt haben. Im Prinzip haben wir Anfang der 2010er-Jahre schon viel von dem eingebracht, was heute Quintessenz der BEOSphäre ist.

Wann war klar, dass der »Zeughof« das Zeug zu einem Quartier hat?

Gegenfrage: Was genau ist ein Quartier? Natürlich hat das auch mit der Größe zu tun, aber wir definieren es vor allen Dingen als Ort, an dem die Umwelt – und das bedeutet in erster Linie die Menschen – sowohl partizipiert als auch profitiert. Und genau das ist der Wert, an dem wir die Qualität unseres Asset- und Quartiersmanagements messen. An den »Zeughof« sind wir herangegangen, ohne ihn schon als Quartier zu sehen – doch genau dazu hat er sich evolutionär geformt, oft inspiriert durch die teils unvorhergesehene Wirkkraft der Mieter. Derzeit schreiben wir mit Hochdruck das nächste Kapitel dieser besonderen Quartiersstory: Ende 2023 hat sich unser Wunsch erfüllt, das Nachbargrundstück an der Köpenicker Straße zurückzukaufen. Dort befindet sich die Hauptzufahrt, die das Quartier architektonisch komplettiert. Unser Ziel bleibt dabei unverändert: Den »Zeughof« im Herzen Berlins gemeinsam und partizipativ mit allen jetzigen und zukünftigen »Kreuzbergern« weiterzuentwickeln.

Kreative Energie dank moderner und offener Bürokonzepte.

Typisch für den kiezigen »Zeughof«: Atmosphärische Flächen fördern den gemeinsamen Austausch.

»Mit dem Einzug von Zalando und Wayfair in den ›Zeughof‹ sank nicht nur das Durchschnittsalter auf dem Areal auf unter 30 Jahre. Auch die Kommunikation fand plötzlich auf Englisch und Spanisch statt. Auf einmal wurde die Immobilie zum ›Place to be‹ für viele Neu-Berliner. Das war ein entscheidender Quartiersmoment – und der beste Beweis, dass erst die Menschen eine Immobilie zu dem machen, was sie ist.«

Lars Ebert
Niederlassungsleiter Berlin
Auf dem Weg zum Quartier

Die 5 wichtigsten Meilensteine

2013
Ankauf des »Zeughofs«
2016
Mieterausbau und Einzug von Wayfair
2017
Aufstockung des Bürogebäudes auf fünf Obergeschosse für Zalando
2023
Rückkauf des Nachbargrundstücks Köpenicker Straße 178–180
Ab 2024
noch stärkere Öffnung ins umliegende Quartier geplant

In unmittelbarer Nähe zur Spree und mit Sicht auf den Hotspot »Mediaspree« …

… besticht das Gewerbeareal mit einer einmaligen Lage im Szenebezirk Berlin-Kreuzberg.

Dekorative Elemente zieren an vielen Stellen die Flächen des »Zeughofs«.

Kennzahlen

31.636
m² Grundstücksgröße
54.133
m² Gesamtfläche
48
Mieter